Blogeinträge (themensortiert)

Thema:

~Das Böse ist nie absolut~

24/2011
Interview mit einem Vampir - Anne Rice

Audible exclusiv - 13 Std. 33 Minuten (ungekürzt)
Sprecher: David Nathan
Hörprobe/Audible

Vampir.jpgHörbuch/Beschreibung: New Orleans, 1791. Der junge Plantagenbesitzer Louis de Pointe du Lac will sich das Leben nehmen. Sein Plan wird vereitelt, als der Vampir Lestat ihn durch einen Biss in den Hals in einen Untoten verwandelt. Louis, der nun gegen seinen Willen an den kaltblütigen Lestat gebunden ist, erschafft sich verzweifelt eine Begleiterin, das kleine Vampirmädchen Claudia. Noch ahnt er nicht, dass sich die schicksalhafte Beziehung zwischen den dreien durch die Jahrhunderte ziehen wird.

Wenn ich eine Verfilmung gesehen habe dessen Roman ich nicht kenne, komme ich selten in die Versuchung mir nachträglich das Buch zu kaufen.
In diesem Falle aber hab ich in einer Rezension zum Hörbuch gelesen: „Wer den Film mag, wird das Hörbuch lieben!“. Das zweite Argument das mich zum Kauf bewog war der Sprecher. David Nathan. Er hat einfach eine Stimme die unter die Haut geht.

Louis de Pointe du Lac, ein junger reicher Plantagenbesitzer, bricht mit dem Leben. Er gibt sich die Schuld am Tode seines geliebten Bruders und ist dem Tode näher wie den Lebenden. Damit macht er den Vampir Lestat de Lioncourt auf sich aufmerksam, der Louis kurzerhand ins Reich der Untoten befördert und ihn in Seinesgleichen verwandelt.
Fortan leben die beiden Gefährten gemeinsam mit Lestats Vater auf Louis Plantage in der Nähe von New Orleans. Der einfältige Lestat frönt ausschweifend und dekadent dem Luxus, den er sich ohne Louis Reichtum nie hätte leisten können.
Louis, anfangs noch berauscht von seiner Metamorphose zur Nachtgestalt, verabscheut Lestat für seine Verschwendung und seinen Sadismus und Verachtung dem Leben gegenüber. Er kämpft mit dem Gewissen dass er sich über den Tod hinaus bewahrt hat und der Tatsache und Notwendigkeit des Tötens um sich selbst erhalten zu können, und erkennt zu welcher Hölle ihn Lestat verdammt hat.

Als Lestat bemerkt, dass Louis ihn verlassen will erschafft er just einen weiteren Vampir um ihn an sich zu binden. Ein kleines 5-jähriges Mädchen namens Claudia, zu der Louis sich hingezogen fühlt. Diese Vampirfamilie funktioniert viele Jahre, bis Claudia aufbegehrt. Sie erfährt wer sie auf ewig in den Körper eines Kindes gesperrt hatte und in ihrem grenzenlosen Hass will sie Lestat vernichten.

 Louis und Claudia flüchten vor Lestat und machen sich mit einem Schiff nach Europa auf, getrieben von der Sehnsucht weitere Vampire zu finden und ihre Fragen beantwortet zu bekommen.

Nach ihrer Reise durch Osteuropa quartieren sie sich in Paris ein und erhalten eine Einladung zum Théatre des Vampires. Dort trifft Louis auf den ältesten lebenden Vampir Armand und fühlt sich auf  eigenartige und manipulierte Weise zu ihm hingezogen.

Diese ganze Geschichte über den Zeitraum von 200 Jahren erzählt Louis dem Jungen Daniel Molloy in einem Hotelzimmer im San Franzisko des 20. Jahrhunderts, der das Interview mit dem Vampir auf mehreren Tonkassetten festhält.

Wer sich vor dem Hörbuch scheut weil er eine Abhandlung des bereits bekannten Films fürchtet, dem sei gesagt, dass das Buch viel reichhaltiger ist wie die Verfilmung, viel tiefgründiger. Mir hat die Verfilmung sehr gut gefallen und dennoch find ich das Buch um Längen besser. Vieles wird im Film gar nicht umgesetzt oder ganz anders. Einiges mag für die Handlung im Film nicht unbedingt relevant gewesen sein, aber das Verstehen um die Gefühle bleibt auf der Strecke.

Inzwischen sind seit der Erstveröffentlichung dieses Romans 35 Jahre vergangen, und dass er sich eine Art Kultstatus erworben hat liegt mit Sicherheit an der Faszination der Unsterblichkeit.
Was diesen Roman auch so interessant macht ist die Betrachtung der Dinge aus der Sicht der Vampire. Die Ich-Erzählung  macht das ganze unheimlich lebendig.  Diese Melancholie die Louis in sich trägt, seine Zerissenheit, sein Selbsthass wird richtig greifbar. Philosophisch wird es in Dialogen über die Frage nach der Existenz Gottes und der Wahrhaftigkeit des Teufels, der Sinnlosigkeit eines unsterblichen Lebens.  

Das Hörbuch lohnt sich auf alle Fälle. Ein wunderbarer Roman der noch lange nachklingt. Von Beginn an herrscht eine düstere Atmosphäre der man sich kaum entziehen kann. Die getragene Erzählweise vermittelt eine ganz besondere Stimmung, und David Nathan vermag es in unnachahmlicher Weise den Charakter jedes Protagonisten ganz individuell herauszuarbeiten und Emotionen zu erzeugen.


Schwammerlweib 06.10.2011, 22.07 | (1/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

~Krimi auf Platt~

21/2011
Tod im Apothekenhaus  - Wolf Serno
Verlag: Knaur TB - Seiten: 448

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Apothekerhaus.jpgKurzbeschreibung: Hamburg, 1716: Der Apotheker Teodorus Rapp ist fasziniert von den Absonderlichkeiten der Natur. Über Jahre hinweg hat der menschenscheue Eigenbrödler unzählige Kuriositäten angehäuft. Doch dann wird seine einmalige Sammlung gestohlen und er selbst in eine mörderische Intrige verwickelt. Verzagt macht sich Teodorus auf die gefährliche Suche - und findet weit mehr als nur seinen geraubten Schatz....


Hamburg im 18. Jahrhundert. Theodorus Rapp, ein eigenbrödlerischer Apotheker, wird auf dem Heimweg von einem Konzert auf der Straße bewusstlos geschlagen und erwacht viele Stunden und Meter vom Tatort am Hafen in Lumpen gekleidet wieder, seiner Perücke und Kleidung beraubt und  in dem festen Glauben bei den Handgreiflichkeiten zwei Menschen erschlagen zu haben.
Als er endlich seine Apotheke erreicht, traut er seinen Augen nicht - denn er steht sich selbst gegenüber und einer infamen Intrige gegen ihn. Er begibt sich fortan alleine an die Aufklärung und sieht sich plötzlich als Gehilfe in seiner eigenen Apotheke und somit gefährlichen Verbrechern gegenüber, die ihn um sein Kostbarstes bringen wollen - seinen Thesaurus.

Mein erster Roman von Wolf Serno der mich recht kurzweilig unterhalten hat. Die Geschichte ist recht spannend geschrieben, wenngleich ich mich auch nicht unbedingt in einem Krimi gesehen habe. Das Ganze erinnerte mich doch eher an ein Bühnenstück, eine Komödie auf Platt. (Platt zu lesen und es dann auch noch zu verstehen ist allerdings nicht immer sehr leicht gewesen) Sehr humorvoll und man kann sich das Schmunzeln stellenweise nicht verkneifen.

Die Beschreibungen Hamburgs im 18. Jahrhundert und des Apothekerhandwerks zur damaligen Zeit scheinen gut recherchiert und fügen sich sehr realistisch in die Geschichte ein.

Einzig und alleine, und deshalb gibts Punktabzug, ärgerte mich der Schluß. Man fieberte auf die Auflösung zu und bekam 2 Seiten im Epilog und bleibt unbefriedigt zurück. Schade eigentlich!

Schwammerlweib 13.09.2011, 22.21 | (7/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

~Das Buch in dem ich fast verschwand~

16/2011
Das Buch in dem die Welt verschwand - Wolfram Fleischhauer

Audible exclusiv - 14 Std. 13 Minuten (ungekürzt)
Sprecher: Detlef Bierstedt
HÖRPROBE/AUDIBLE

Weltverschwand.jpgKurzbeschreibung Hörbuch: Man schreibt das Jahr 1780. Revolutionäre Ideen durchziehen das Land. Mystische Zirkel und Geheimbünde bekämpfen sich allerorts. In der fränkischen Grafschaft Alldorf ist es zu merkwürdigen Todesfällen gekommen und der junge Arzt und Epidemieforscher Nicolai Röschlaub soll bei der Aufklärung helfen. Wenn es ein Gift war, so hinterlässt es keine Spuren. Eine Verschwörung ist denkbar, doch wen hat sie zum Ziel? Begleitet von einer rätselhaften jungen Frau, macht sich Nicolai auf den Weg an die äußersten Grenzen des Reiches - und gleichzeitig ins Innerste seiner Seele. Die Zeit drängt, denn das Geheimnis ist aus dem Stoff, der eine Welt zerstören kann.

>> Diese ungekürzte Hörbuch-Fassung wird Ihnen exklusiv von Audible präsentiert und ist ausschließlich im Download erhältlich.

Das Buch in dem ich fast verschwand - vor gähnender Langeweile

Nein am Sprecher lag es nicht. Toll gesprochen, ohne jeden Zweifel.

Das Interesse wird anfangs geweckt durch die mysteriösen Todesfälle, die Suche nach dem geheimnisvollen Gift, brennende Postkutschen, Geheimbünde und Spione.

Sehr spannend und vielversprechen.

Und dann plötzlich riss der Faden ab, diverse Handlungstränge verlaufen im Sande und werden nicht zusammengeführt. Die Spannung versteckt sich in ein Mauseloch und die Handlung plätschert arg konstruiert und langweilig bis zum wenig überraschenden Ende vor sich hin.

Die Charaktere bleiben farblos, gesichtslos und dem Leser bis zum Schluß fremd.

Wissenschaftliche und historische Details wissen zu überzeugen aber der philosophischen Tiefgründigkeit konnte ich leider aufgrund der verwirrenden Handlung nicht viel abgewinnen, wenngleich man doch einiges über die Weltanschauung zur Zeit der Aufklärung erfährt.

Ich hab mich vermutlich vom Titel verführen lassen und bin mit ganz anderen Erwartungen an dieses Hörbuch herangegangen und bin unbefriedigt zurückgeblieben. Ob ich weiteren Werken von Wolfram Fleischhauer eine Chance geben werde weiß ich noch nicht, denn dieses hat mich nicht überzeugt.


Schwammerlweib 30.08.2011, 16.34 | (6/6) Kommentare (RSS) | TB | PL

~Nette Geschichte fürs Herz~

15/2011
Solange du da bist  - Marc Levy

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Kurzbeschreibung: Was tun, wenn man in seinem Badezimmerschrank eine junge hübsche Frau findet, die behauptet, der Geist einer Koma-Patientin zu sein? Arthur hält die Geschichte für einen Scherz seines besten Freundes, er ist schrecklich genervt, dann erschüttert und schließlich hoffnungslos verliebt.

Lauren liegt nach einem schweren Autounfall seit Monaten im Koma. Ihre ehemalige Wohnung wird an Arthur, einen jungen Architekt, vermietet - mit dem Phantom Lauren im Badezimmerschrank. Arthur begreift bald die unglaubliche Geschichte und die Tatsache, dass er der einzige ist der Lauren helfen kann ins Leben zurückzukehren.
Total unrealistisch, dass Komapatienten ihren Körper im Geiste verlassen können und durch die Gegend irren, aber die Idee dahinter ist als solche sehr anrührend und tragisch-komisch.
Nur leider bin ich mit den Protagonisten so überhaupt nicht warm geworden, hab keinen Bezug zu den beiden aufbauen können. Zwischendrin driftet mir das ganze zu sehr in eine kitschige Liebesgeschichte ab. Und hätte es zu Ende nicht wieder den Boden der Tatsachen gefunden - ich hätte noch ein Herz weniger gegeben.
Schade - ich hab mir mehr erwartet, aber dennoch wird man recht kurzweilig unterhalten und immerhin regt es ein wenig zum nachdenken an.


Schwammerlweib 26.05.2011, 12.25 | (3/2) Kommentare (RSS) | TB | PL

~Grotesk - Famos - Ein Glücksgriff~

14/2011
Gargoyle - Andrew Davidson
Der Hörverlag - 16 Std. 38 Minuten (ungekürzt)

HÖRPROBE/AUDIBLE:

Gargoyle.jpgKurzbeschreibung Hörbuch: Ein Mann überlebt einen Unfall mit schwersten Verbrennungen. Entstellt und voller Schmerzen hat er danach nur einen Gedanken: Wie kann er seinem elenden Zustand ein Ende bereiten? Da taucht eine mysteriöse Frau an seinem Krankenbett auf: die schöne Marianne Engel, exzentrische Bildhauerin beeindruckender Fabelwesen. Sie behauptet, sie seien einst Liebende gewesen - vor siebenhundert Jahren in Deutschland, als sie eine Nonne war und er ein Söldner auf der Flucht. Ist diese Frau einfach verrückt? Oder ist sie der rettende Engel, der ihn erlösen wird?

Die Lesung von Stefan Kaminski und Sascha Icks ist so spannend, so beflügelnd, so packend, dass sie die volle Aufmerksamkeit verlangt - und verdient. Die einzige Tragödie ist, dass sie trotzdem einmal endet.

Grotesk - abgefahren - irgendwie nicht von dieser Welt. Das sind so die ersten Worte die mir zu diesem Werk einfallen.

Nein dieser Roman ist absolut nicht gewöhnlich und er ist auch nicht so ohne Weiteres in eine Schublade einzuordnen.

Ein namenloser Pornodarsteller - im Drogen- und Alkoholrausch mit dem Auto unterwegs - verunglückt und geht dank einer Flasche Bourbon im Schoß in Flammen auf. Fast jeder Quadratzentimeter Haut schmort vor sich - der Leser ist quasi live dabei und empfindet beinahe körperliche eigene Qualen - da rutscht das brennende Vehikel in einen Bach und die lebende menschliche Fackel wird gelöscht.

Allein dieser erste Abschnitt ist von einer Erzählgewalt die ich so noch nie gelesen habe.
Danach findet er sich in einer Klinik wieder, aufgeplatzt wie ein frisch gegrilltes Würstchen, aber am Leben.
Ob es notwendig ist die einzelnen Schritte zur Behandlung eines Verbrennungsopfers dieser Kategorie so detailgenau zu beschreiben mag dahingestellt sein, interessant ist es allemal. Allem voran die Zynik des Opfers.  Während seines Heilungsprozesses setzt er sich immer intensiver mit seinem Suizid auseinander. Geld, Sex und Drogen das war sein Leben - als Kohlemännchen dem der Schwanz verbrannt ist hat er gar nix mehr.

Aber plötzlich steht Marianne Engel an seinem Bett, eine Patientin aus der Psychiatrie. Eine Frau die er noch nie gesehen hat, eine Frau die von Tattoos übersät ist, eine Frau die behauptet ihn seit 700 Jahren zu kennen, eine Frau die Gestalten aus Stein meißelt, sogenannte Gargoyles.
Sie sei damals Nonne gewesen im Kloster Engelthal, nahe Nürnberg, und hätte ihn schon damals als Söldner von schweren Brandwunden geheilt und geliebt.

Und dann nimmt die Geschichte erst richtig Gestalt und Fahrt auf. Marianne Engel nimmt uns mit auf eine fulminante Reise durch Zeit und Raum und gibt mit ihren Erzählungen unserem Protagonisten neuen Lebensmut.
Das ist mehr wie eine bizarre Liebesgeschichte. Das ist Glaube, Atheismus, Liebe, Hass, Hoffnung, Verzweiflung, Gegenwart, Vergangenheit. In dieser Geschichte steckt so viel drin.  Und Stefan Kaminski und Sascha Icks haben Alles aus ihr rausgeholt. Kaminski das Stimmengenie, gibt jedem Charakter sein eigenes Ich und ganz besonders genial die Schlange im Rückgrat unseres Verbrennungsopfer das immer dann laut wurde wenn das Morphium nachließ.
Ein Highlight, wenn nicht gar das größte, darf ich nicht vergessen zu erwähnen. Die Reise unseres Protagonisten in Dantes literarische Hölle unter Morphiumentzug in dem ihm sämtliche Charaktere wiederbegegnen und den sehnlichsten Wunsch im Leser erzeugen, man möge in den Himmel kommen ;-)
Volle Punktzahl - hätte ich mehr Herzen zur Verfügung, ich würde mehr vergeben.
Kommt eindeutig in meine persönlichen Top Ten und wird unbedingt noch als Gebundene Ausgabe fürs Regal angeschafft.



Schwammerlweib 24.05.2011, 13.36 | (5/5) Kommentare (RSS) | TB | PL

~Fantasy in 3D~

13/2011
Das Lied von Eis und Feuer 02: Das Erbe von Winterfell - George R.R. Martin
Verlag: Blanvalet - Seiten: 576

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Feuer2.jpgKurzbeschreibung: Verfall bedroht die Sieben Königreiche. Joffrey, der Sohn der dunklen Königin Cersei, tritt nach dem Tod von Robert Baratheon dessen Nachfolge an. Doch auch der finstere Stannis und der charismatische Renly Baratheon, die beiden Brüder Roberts, erheben Anspruch auf die Krone. Und Robb Stark, König im Norden, will sich für den Tod seines Vaters rächen und seine Schwester vom Hofe Joffreys befreien. Unterdessen züchtet Daenerys, die im Exil lebende letzte rechtmäßige Thronerbin, drei Drachen heran, und grässliche Kreaturen streifen im Verwunschenen Wald umher...

Das fantastische Fantasy-Epos geht weiter. HIER hatte ich Euch Teil 1 beschrieben, Die Herren von Winterfell. 

Von Teil 1 war ich ja schon so überaus begeistert, aber Teil 2 übertrifft das nochmal um einiges.

Was daran liegen mag, dass man sich ja in Teil 1 so langsam an alle Personen herangetastet und sie kennengelernt hat und dank Anhang nicht den Überblick verloren hat.
Im zweiten Teil nun kann man sich noch mehr drauf einlassen, allerdings nicht allzu lange. Denn wo die Welt plötzlich noch in Ordnung scheint, ist auf einmal nichts mehr wie es war.

Auch hier wieder diese überraschenden Wendungen, die auch mal einen liebgewonnenen Protagonisten plötzlich aus dem Leben hebt. Nein, keinen Anspruch auf ein Happy End. Vielleicht eine Zutat für das erfolgreiche Fantasy-Rezept??

Von der Handlung möchte ich nicht viel preisgeben, schon allein aus eben Erwähntem, damit nicht zuviel vorweggenommen wird und vielleicht den Lesespaß trübt. Die Kurzbeschreibung ist da schon sehr forsch.

Einen Hauptanteil dran was diese Romane so besonders macht, hat wohl diese ganz besondere Zeichnung der Charaktere. Es scheint so als hätte George R.R. Martin für jede Figur eine spezielle Rezeptur entwickelt, diese zusammengemixt, probiert, ein wenig nachgewürzt und dem ganzen Leben eingehaucht. Ja die Personen leben und erscheinen dreidimensional. Ich bin momentan mittendrin in Teil 3 und bin nach wie vor fasziniert.

Schwammerlweib 15.05.2011, 09.58 | (4/4) Kommentare (RSS) | TB | PL

~Vielschichtig und Fesselnd~

12/2011
Das Lied von Eis und Feuer 01: Die Herren von Winterfell - George R.R. Martin
Verlag: Blanvalet - Seiten: 576

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Winterfell1.jpgKurzbeschreibung: Die letzten Tage des Sommers sind gekommen. Eddard Stark, Herrscher im Norden des Reiches, weiß, daß der nächste Winter Jahrzehnte dauern wird. Als der engste Vertraute des Königs stirbt folgt Eddard dem Ruf an den Königshof und wird dessen Nachfolger. Doch um den Schattenthron des schwachen Königs scharren sich Intriganten und feige Meuchler. Eddard sieht sich von mächtigen Feinden umzingelt, während seine vielköpfige Familie in alle Winde verstreut wird. Die Zukunft des Reiches steht auf dem Spiel....

"Das vielleicht beste Fantasy-Epos überhaupt." sagte Marion Zimmer Bradley (Die Nebel von Avalon). Ich vermag das nicht zu beurteilen, dazu hab ich einfach zuwenig Fantasy gelesen. Aber ich bin von dem Ideenreichtum des Autors schier fasziniert. Er lässt mit seiner Phantasie eine ganz eigene Welt erstehen - den Kontinent Westeros, samt seiner Geschichte und Historie.

Das Herrscherhaus der Targaryen, das Blut der Drachen, wurde nach fast 300 Jahren Alleinherrschaft gestürzt. Der einstige Rebellenführer Robert Baratheon führte 15 Jahre die Krone der sieben Königslande, bis er des Herrschens müde wird und sich mehr der Jagd und dem Wein hingibt. Als sein engster Vertrauter ermordet wird holt König Robert seinen alten Freund Eddard Stark als neue Rechte Hand an den Königshof. Seine Töchter Sansa und Arya ziehen mit ihm um das höfische Leben kennen zu lernen, seine Söhne Robb und Brandon bleiben in Winterfell.
Eddard deckt ziemlich schnell ein Geheimnis auf und und ist von Intriganten und Feinden umzingelt, schwer jemandem zu vertrauen, wenn offensichtliche Freunde plötzlich keine mehr sind. Allem voran der Königin Cersei. Eine Dame aus dem Hause Lannister, in mächtiger Position. Da werden Fäden gesponnen und wenn man nicht aufpasst verfängt man sich leicht und kommt aus dem Spinnennetz nicht mehr heraus und das betrifft die gesamte Familie Stark die zwischenzeitlich in allen Himmelsrichtungen verstreut ist.

Neben den Machtkämpfen der Adelsfamilien grenzen sich zwei weitere Handlungsstränge ab.
Da gibt es zum einen die Mauer an der abgelegenen Nordgrenze des Reiches und deren Nachtwache, die Männer in Schwarz. Dorthin wurde Eddard Starks Bastard Jon Snow "abgeschoben" und sieht sich einer noch unsichtbaren Gefahr gegenüber.

Und östlich von Westeros probiert die letzte Targaryen-Prinzessin Daenerys mit Hilfe eines wilden Reitervolkes den Thron zurück zu erobern.

Umfangreich und vielschichtig, was natürlich unzählige Protagonisten zur Folge hat. Die Wichtigsten sind aber im Anhang nach ihren Häusern und Geschlechtern aufgegliedert und erstaunlicherweise muss man nach geraumer Zeit gar nicht mehr nachschlagen, zumindestens ging es mir so.

Die Kapitel tragen immer den Namen einer bestimmten Hauptperson aus eben deren Blickwinkel die Geschichte auf den folgenden Seiten erzählt wird.
Und eben diese von George R.R. Martin so absolut realistisch gezeichneten Charaktere machen einen Großteil des Faszinosums aus. Keinesfalls einschichtig oder klischeehaft, sondern tiefgründung und absolut menschlich sind die Protagonisten dargestellt. Und man verteilt seine Sympathien nicht ausschließlich an die "Guten". Man leidet mit Ihnen, kann Ängste und beinahe Schmerz nachempfinden. Die Handlung ist nicht vorhersehbar und man liest sich förmlich in einen Sog hinein, Spannung pur und das Schicksal ist was es eben ist - SChicksal, und das trifft nicht nur die "Bösen".

Das Englische Original (A Game of Thrones) wird vom deutschen Verlag in zwei Bücher aufgeteilt, und daher empfielt sich im Zusammenhang auch gleich Teil 2 Das Erbe von Winterfell zu lesen. Bin mit Teil 2 fast fertig ;-)   (4 Originale gibt es bislang, Band 5 soll im Sommer erscheinen)

Anspruchsvolle Fantasy - Achtung - macht süchtig ;-) Und Teil 3 sollte heute mit der Post ankommen!
Ich bin absolut begeistert und freu mich schon wenns weitergeht!


Schwammerlweib 07.04.2011, 10.38 | (2/2) Kommentare (RSS) | TB | PL

~Hörbücher und ICH?~

Ja genau - Hörbücher und Ich - passt das zusammen??
Bislang hab ich mich ja gegen dieses Medium erfolgreich gewehrt und das aus verschiedenen Gründen.

Nun gibts da Elke - und Elke hört Hörbücher bei Audible. Und hat mir die letzten Wochen da eins ums andere Mal den Mund ein wenig wässrig gemacht.



Und jetzt gibts bei Audible aktuell ein 3-Monats-Abo mit gratis mp3-Player. Und da hab ich zugeschlagen. 3 Monate sind überschaubar, danach kann ich jederzeit das Abo kündigen. Und ich komme in den Genuss von mindestens 3 Hörbüchern.
So und ob das dann wirklich ein Genuss wird, wird sich herausstellen müssen. Denn bislang hab ich hier im Haus fast nirgendwo wirklich die erforderliche Ruhe um zu "Hören". Und mit dem mp3-Player hab ich jetzt die Hoffnung das könnte doch was werden?? Ja ich gehöre zur epischen Minderheit die noch keinen mp3-Player besitzen!!!!

Und ich denke ich bin der Typ der sich auf Hörbücher stürzt die in gedruckter Form zu unüberwindbar erscheinen??!!
Könnt ihr "vertonte Schinken" empfehlen? Oder gibts Hörbücher wo ihr sagt die MUSS man unbedingt gehört haben??

Nachtrag: Vielen Dank für Eure zahlreichen Anregungen. Ich hab schon so ein paar Vorschläge auf meine Wunschliste gesetzt und bin gespannt, für was ich mich zuerst entscheide.

Schwammerlweib 11.03.2011, 21.44 | (17/16) Kommentare (RSS) | TB | PL

~Tod am Starnberger See~

10/2011
In weisser Stille - Inge Löhning
Verlag: Ullstein TB - Seiten: 443

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Stille.jpgKurzbeschreibung
: Ein stürmischer Oktoberabend: In seinem Wochenendhaus am Starnberger See wird ein pensionierter Kinderarzt tot aufgefunden. An eine Heizung gefesselt, ist er langsam verdurstet - ein qualvoller Tod, der sofort die Frage nach dem Motiv aufwirft. Erste Spuren deuten auf Raubmord hin. Doch als Kommissar Konstantin Dühnfort nach und nach den dunklen Charakter des Toten enthüllt, stößt er auf ein Drama, das die längst erwachsenen Kinder des Ermordeten bis heute verfolgt.

Bin auf der Rückfahrt vom Tierpark München soeben noch in Münsing am Starnberger See vorbeigefahren, dem Schauplatz von Mordermittlungen in Dühnforts zweitem Fall. Schon witzig wenn die Handlung quasi vor der Haustür stattfindet ;-)
Vor kurzem erst hab ich Inge Löhnings Krimidebüt "Der Sünde Sold" recht begeistert gelesen. Hier gabs die Rezension dazu. Diesen muss man aber nicht zwangsläufig gelesen haben um hier anzuknüpfen, denn die Fälle sind in sich abgeschlossen und für Dühnforts Amourisitäten gibts Rückblicke.
Für mich wars wie ein kleines Wiedersehen mit den Protagonisten, allen voran natürlich dem Kommissar Dühnfort und seine beiden Ermittlerkollegen Gina Angelucci und Alois Fünfanger, allesamt sehr menschliche Kriminalisten jeder mit seiner speziellen Marotte und Eigenart.
Konstantin Dühnfort z. B. ist ein kleiner Feinschmecker und holt sich fürs Risotto frische Steinpilze auf dem Viktualienmarkt und kauft Pouilly Fumé im Feinkostladen. Da läuft einem beim Lesen manches Mal das Wasser im Munde zusammen ;-)
Häppchenweise bekommt man dann auch serviert, die Details um die Spannung hochzuhalten bis zum Schluß. Man wird auf falsche Fährten geführt und man taucht ab in Familiengeheimnisse, die nicht tief genug verborgen waren um nicht doch aufgedeckt zu werden.

Zwei handfeste Krimis hintereinander machen selbstverständlich Lust auf den nächsten dieser Autorin und mit "So unselig schön" steht Dühnforts dritter Fall schon im Buchladen und hoffentlich bald in meinem Regal ;-)


Schwammerlweib 09.03.2011, 19.34 | (2/2) Kommentare (RSS) | TB | PL

~Spannend bis zum Schluß~

9/2011
Die Markgräfin - Sabine Weigand
Verlag: Fischer (Tb.) Seiten: 480

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Mark.jpgKurzbeschreibung: Mit zehn ist sie verheiratet. Mit zwölf Witwe. Mit fünfzehn heiratet sie den König von Böhmen. So steht es in den Chroniken. Als sie endlich ihr eigenes Leben führen will, sperren ihre Brüder sie ein. Ihre Spur verliert sich 1542. Bis in unseren Tagen ein geheimnisvoller Fund die Geschichte der Markgräfin Barbara von Ansbach enthüllt. Ein bewegendes Historienepos, eine spannende Detektivgeschichte, mitreißend beschwört Sabine Weigand Deutschland im Umbruch von Mittelalter zur Neuzeit herauf. Barbara von Ansbach hat es wirklich gegeben. Folgen Sie der Spur. Entdecken Sie das Geheimnis der Markgräfin.

Einer der besten historischen Roman die ich gelesen habe und zudem noch aus deutscher Feder. Sabine Weigand, selbst Historikerin, promovierte über das Hofleben der zollerischen Landesherrn auf der Plassenburg in Mittelalter und Frühneuzeit und war fasziniert über die Markgräfin Barbara von Brandenburg-Ansbach, Herzogin von Groß-Glogau und Clossen und Königin von Böhmen und hat um und über sie diesen Roman gesponnen. Zeitlich hat sie das ganze 50 Jahre nach vorne gerückt um dem Markgräflerkrieg und der Zerstörung der Plassenburg eine Bühne geben zu können. Historisch ein wenig zeitlich verzerrt tut das der Spannung keinen Abbruch. Historische Quellen wurden authentisch verarbeitet und zum Teil wörtlich wiedergegeben, die Lücken wurden mit wunderbarer schriftstellerischer Freiheit gefüllt und fügen sich logisch in die Geschichte.
Parallel wird die Plassenburg zur Neuzeit erzählt: Der Kastellan der Burg findet bei Restaurierungsarbeiten eine eingemauerte Babyleiche. Lt. Gerichtsmedizin ist das Skelett 400 - 500 Jahre alt und ist wohl nicht eines natürlichen Todes gestorben.  Das holt die "Forschenden Vier", Kastellan, Lehrer, Pfarrer und Archivar, allesamt Hobbyhistoriker auf den Plan und eine aufregende Detektivarbeit durch sämtliche Archive und Bibliotheken beginnt. Wer war das Kind? Und wer die Mutter?
Anders als Alles was ich bisher so an historischen Romanen gelesen habe. Mit vielen historischen Details, Quasi so eine kleine Geschichtsstunde nebenher. Ein Glossar am Ende des Buches hätte ich mir gewünscht, denn es waren viele Begriffe dabei die heute lang nicht mehr gebräuchlich sind. Sehr interessant die Schreibweise mancher Wörter - da waren viele Rechtschreibreformen dazwischen ;-)
Ein dramatisches Frauenschicksal sehr bewegend und  emotional erzählt, und mitreißend spannend bis zum Schluß was durch die Kombination Gegenwart und Damals noch verstärkt wird. 

Schwammerlweib 27.02.2011, 12.39 | (4/4) Kommentare (RSS) | TB | PL